ICNP® – International

ICNP® erleichtert internationalen Austausch von Pflegeinformationen

Die ICNP® ist eine Terminologie, die die Standardisierung der Pflegedokumentation am Ort der Leistungserbringung unterstützt. Die daraus resultierenden datenbasierten Informationen können zur Planung und Durchführung der pflegerischen Versorgung, zur finanziellen Vorausplanung, zur Analyse der Patientenergebnisse sowie zur strategischen Entwicklung lokal, regional und international genutzt werden.

ICN – International Council of Nurses

Der ICN möchte den Austausch und den weltweiten Vergleich von pflegebezogenen Daten insbesondere mit Hilfe neuer Informationstechnologien fördern. Darüber hinaus soll der spezielle Beitrag der Pflegenden im interdisziplinären Behandlungsteam beschrieben, und, zwischen der Arbeit von Pflegenden und derjenigen anderer Fachleute im Gesundheitswesen differenziert werden.

ICN eHealth Programme

Unter dem Dach des ICN eHealth Programms werden die Entwicklungen im Bereich ICNP®, telehealth Technologien und er internationale Austausch von Pflegefachpersonen gefördert. Direktor des Programms ist Professor Nicholas Hardiker von der University of Salford, Manchester.

Seit Mitte 2012 ist das ICNP®-Programme in den Schwerpunkt e-Health integriert. Im e-Health Programme werden neben der Weiterentwicklung der Klassifikation Aspekte der Verbreitung und der technischen Anwendung überein gebracht.

ICNP® und WHO

Die World Health Organization (WHO), die maßgeblich die Anwendung von Klassifikationen im Gesundheitswesen koordiniert, hat die ICNP® als krankheits- und gesundheitsrelevante Klassifikation in die WHO-Familie der Gesundheitsklassifikationen anerkannt. Damit ist es möglich, sowohl bestehende als auch neue Pflegeklassifikationen mit der ICNP® als Referenzterminologie mit weiteren Gesundheitsklassifikationen zu verbinden. Mit Referenzterminologie ist ein System gemeint, durch das der Gesamtbestand der Begriffe und ihrer Benennungen in einem Fachgebiet so beschrieben werden, dass alle Benennungen zu anderen bestehenden Klassifikationen darin abgebildet sind.

ISO-Standard: Model of Nursing Terminology

Unabhängig von der Entwicklung der ICNP® strebt die Internationale Organisation für Normung (ISO) an, Standards für die Formulierung von Pflegediagnosen und Pflegeinterventionen zu etablieren. Die erarbeiteten Entwürfe zur formalen Struktur entsprechen in wesentlichen Teilen dem oben dargestellten Aufbau der ICNP® (ISO 18104:2014 – Health informatics — Categorial structures for representation of nursing diagnoses and nursing actions in terminological systems). Der ICN ist bestrebt, durch Kooperation mit anderen Entwicklern die ICNP® möglichst universell anwendbar zu gestalten.

ICNP® und IHTSDO: Referenzterminologie in SNOMED-CT

Als Terminologie ist ICNP® seit der Entwicklung der ICNP®-Alpha-Version 1996 kompatibel in der Familie der Health Level Standards (HL7). Seit 2006 betreiben der ICN und die International Medical Informatics Association Nursing Informatics Special Interest Group (IMIA NI-SIG) die Entwicklung eines internationalen Pflege-Minimaldatensatzes (international Nursing Minimum Data Set, i-NMDS). Seit 2010 besteht ein Harmonisierungsabkommen mit der International Health Terminology Standards Development Organization (IHTSDO), die die weltweit anerkannte Terminologie Systematized Nomenclature of Medicine–Clinical Terms (SNOMED-CT) entwickelt, implementiert und pflegt (zuvor bestand bereits seit 2006 ein Abkommen mit SNOMED_International). In mehreren Studien wurde untersucht, ob sich die Terminologie der  ICNP® innerhalb von SNOMED-CT abbildet bzw. mappen lässt. Die positiven Ergebnisse empfehlen die ICNP® als Referenzterminologie für den pflegefachsprachliche Verwendung.

ICNP® und eHealth Suisse: elektronisches Patientendossier

In der Schweiz stösst das Bundesamt für Gesundheit mit dem Projekt eHealth Suisse die Entwicklung elektronischer Dienstleistungen und Prozessorganisationen im Gesundheitswesen sowie deren Standardisierung und Koordination an. Die Einführung des elektronischen Patientendossiers (EPD) ist ein komplexes Zusammenspiel von rechtlichen, organisatorischen und technischen Voraussetzungen. Vor diesem Hintergrund haben eHealth Suisse und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) einen Einführungsplan erarbeitet, der die notwendigen Vorarbeiten und ihre gegenseitigen Abhängigkeiten abbildet. Bund und Kantone gehen momentan davon aus, dass das EPD  im Frühjahr 2020 in allen Regionen der Schweiz verfügbar sein wird.

Der Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner SBK und seine IG Pflegeinformatik sind darin und über den Dachverband der schweizerischen Berufsorganisationen im Gesundheitswesen SVBG in der beratenden Begleitgruppe und in der Expertengruppe Semantik vertreten. Diese nehmen bei den Anhörungen Stellung zu den Projekten und Entwürfen. In 2017 haben Pflegewissenschaftler und Pflegewissenschaftlerinnen im Zuge der Entwicklung einer Integration von pflegerelevanten Daten in einem Fallbeispiel zur semantischen Interoperabilität u.a. die deutschsprachige ICNP®  auf deren geeignete Verwendung überprüft.

Fallbeispiel semantische Interoperabilität Pflege

Damit Gesundheitsinformationen im Behandlungsprozess rasch und systemunabhängig ausgetauscht und gelesen werden können, braucht es die semantische Interoperabilität der Daten. Ein Fallbeispiel zur semantischen Interoperabilität von Pflegedaten zeigt, wo die Grenzen des systemübergreifenden Informationsaustauschs heute liegen. Die Nutzung von unterschiedlichen Ordnungssystemen führt dazu, dass Pflegediagnosen vom Informationssystem im Spital nicht direkt in das System der Spitex übernommen werden können. Die Prozessinteroperabilität ist nicht vorhanden. Während dem Informationsaustausch besteht die Gefahr, dass Informationen verloren gehen, und die gleichen Informationen müssen vom Personal erneut erfasst werden. Durch die Nutzung von Referenzterminologien wie z.B. SNOMED CT beim Austausch von Gesundheitsinformationen könnte aber eine semantische Interoperabilität erreicht werden. Das Fallbeispiel zeigt auf, wie der Informationsaustausch zwischen den Behandelnden mit Hilfe von harmonisierten Ordnungssystemen optimiert werden könnte.